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Leichenhochzeit

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Leichenhochzeit

Beitrag von Hirnsuppe am Do März 10, 2016 12:30 pm

Die sinkenden Wälder, sie atmen Uran
Dort leuchtet vergebens das Leben vertan
Tief hängt der Schleier am sterbenden Ast
Steht welkend zur Schönheit so sehr im Kontrast

Die Braut ist gestorben, die Suppe ist leer
Der Reis ist verdorben, das Mark wiegt so schwer
Und hinter den Wellen erbricht sich der Strand
Schreit stumme Kotze vom obersten Rand
Siechendes Wachstum steht zum Vergleich
Elastischer Boden liegt hartbitterweich
Auf der toten Geliebten und blutet sie aus
Aus Jauche, nicht Blumen sich bindet der Strauß
Sie hält ihn in Händen, dann wirft sie ihn fort
Liegt unter dem Boden von Wänden durchbohrt

In hölzerner Urne brennt sanft der Gemahl
Er sucht ihr Erblicken und zeigt sich ihr fahl
Dann in ihrem Schoße erstarrt das Geäst
Er leckt ihre Wunde und beißt sich dran fest
Sie zuckt und sie wimmert in sich verloren
Spuckt bis es dämmert von Messern geboren
Aus in die Krüge wartender Scheren
Wird ihrem Liebsten das Beil dann gebären

Soll es doch wachsen und sie dann packen
Es wird, wenn es groß ist, den Himmel zerhacken
Gott wird sich zeigen in Strapsen und Mieder
Betrunken dann singen ganz schmutzige Lieder
Denn schon in der Bibel steht es ja geschrieben
Der Sturm soll die Welle ganz fett vor sich schieben
Und Riegel verbieten und Balken auch werfen
Messer und Scheren mit Gieskannen schärfen

Und jede Metapher in solch schlechtem Reim
Fällt stumpfer Ahnung zulasten anheim
Lässt sich nicht singen und klingt auch recht matt
Weil der Hohlzahn auf’s Dürsten Hunger nicht hat
Und die Braut weint ganz leise in sich hinein
Der Gatte errät es und lässt sie dann allein
Kann ihre Tränen nicht trinken, sind viel zu schwer
Wie das Mark der Gesinnung, dringt zu ihm her

Da verlässt er das Brautbett, das tief da im Boden
Zum Grab seiner Liebsten längst ward ausgehoben
Und sinnhafte Zeichen wie Staub aufgestoben
Sind sinnlose, haltlose Alltagsmaroden
Sie streiten um Würde in Wehmut und Wein
Das Wasser wirft über sich springend den Stein
Aus sich selbst vollzogen erklimmt der Moment
Die Mitte des Raumes, in der er ausbrennt

Und die Schar der trauernden Hochzeitsgäste
Stürzt unverhalten sich brach auf die Reste
Geifernd und lallend lärmt nur ihre Runde
Im Abseits verhallend zur dunkelsten Stunde
Auf seiner hölzernen Geige spielt da ein Mann
Der die Geige nicht mal richtig halten wohl kann
Dazu grölt ein Kehlchen von Röte erblasst
Vom Sinn, den die Meute erst recht nicht erfasst
Aus blechernen Bechern säuft jeder Mund
Gleich ganze Bäche und Seen ohne Grund
Arbeit macht frei, der Storch kann nicht kochen
Frisst roh seine Frösche samt Haaren und Knochen
Dann endet die Feier mit einem Gedicht
Über den Schwur, den man zu gerne bricht

Unbeweglich und starr schläft die Leiche der Braut
Ungesehen im Boden zusammengekaut
Und nichts hebt die Dielen des Waldbodens an
So hochgestochen kommt man nicht an sie ran
In der Urne seufzt klanglos noch der Bräutigam
Sein harsches Versäumnis wiegt vierzehn Gramm
Die sieben, die fehlen, um vollendet zu sein
Sind seine Braut, doch die ließ er allein

Hätt’ dieser Blödmann es nur besser gewusst
Hätte er mehr empfunden als viehische Lust
Jetzt bleibt er versiegelt mit schaurigen Runen
Und über der Braut sprießen wirkliche Blumen
Deren Wurzeln ohne je zu erkalten
Tief in der Erde den Leichnam festhalten
Und ihn umfalten mit zärtlichem Arm
Gediegen zur Nähe und trotzdem nicht warm

Und in ihrem Glas ist ’ne Fliege ertrunken
Auf den Boden des Glases ganz runter gesunken
Schwimmt da vor Schwere mit ganz steifen Beinen
Die Flügelchen nass und verklebt gar anscheinen
Lösen langsam sich auf in der Spirituose
Endlich befreit von der Wahrheitsneurose

Hochzeitsnacht in den Tag längst gewichen
Feuer und Sturm sind zu Asche verblichen
Asche welkt aufwärts und fährt in den Wind
So wie mit ihm dorthin, wo die Wälder weit sind

Und zwischen den Dielen, die dort niemand schaut
Blinzelt hindurch noch das Auge der Braut
Hinauf in die Höhen von Urnen so fern
Und wäre doch selbst diese Asche so gern

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